Der Unterschied zwischen Patchwork und Quilten war mir lange nicht klar, dabei ist er eigentlich ganz einfach. Meine erste Begegnung mit dem Thema hatte ich 1995 durch den Film „How to Make an American Quilt“ mit Winona Ryder. Eine Gruppe von Frauen näht einen Hochzeitsquilt für die junge Frau Finn. Mit jedem Block ist eine persönliche Geschichte verbunden, die in Rückblenden erzählt wird. Das Thema Liebe zieht sich durch den Quilt genauso wie durch den ganzen Film. Es ist einer der wenigen DVDs, die ich mir gekauft habe. Jetzt, wo ich darüber schreibe, möchte ich ihn nochmal sehen. Taschentücher solltest Du auf jeden Fall parat haben.
In amerikanischen Filmen tauchen natürlich immer wieder Quilts auf, aber hätte mich jemand gefragt, ob es sich dabei um einen Quilt oder eine Patchworkdecke handelt, ich hätte nicht gewusst, wo der Unterschied ist.

Was bedeutet Patchwork eigentlich?
Patchwork kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Flickwerk. Es beschreibt eine Technik, bei der viele einzelne Stoffstücke zu etwas Größerem zusammengenäht werden. Die Stoffstücke können unterschiedliche Farben, Muster und Formen haben, oft sind es Quadrate, Dreiecke oder Rauten. Zusammengenäht ergeben sie ein neues, größeres Stück Stoff, das sogenannte Patchwork-Top.
Patchwork ist also vor allem eine Gestaltungstechnik. Es geht darum, wie die Oberseite aussieht, welche Muster entstehen, wie Farben zusammenspielen. Früher wurden dafür Stoffreste und Überbleibsel aus alten Kleidungsstücken verwendet. Heute kauft man gezielt Stoffe für ein Projekt, oft aufeinander abgestimmte Kollektionen oder Fat Quarters.
Was viele nicht wissen: Patchwork muss nicht zwingend zu einer Decke werden. Du kannst aus Patchwork-Blöcken auch Taschen, Kissen, Wandbilder, Tischläufer und vieles mehr nähen.
Was bedeutet Quilten?
Quilten ist etwas anderes. Beim Quilten werden drei Lagen miteinander verbunden, durch dekorative Nähte, die durch alle Schichten hindurchgehen. Diese drei Lagen nennt man das Quilt-Sandwich.
Die oberste Lage ist in der Regel das Patchwork-Top, also die schöne Seite, an der man viele Stunden gearbeitet hat. In der Mitte liegt ein Vlies, das der Decke Wärme, Stabilität und ein weiches Polster gibt. Die unterste Lage ist der Rückseitenstoff, oft eine schlichte, einfarbige Stoffbahn. Sie kann aber auch bunt und ebenfalls gepatcht sein, ganz nach Geschmack.
Durch das Quilten, also das Vernähen aller drei Lagen mit Hilfe von Steppnähten, entsteht eine neue Haptik und Optik. Die Nähte können geradlinig sein oder in geschwungenen Mustern verlaufen, als Mäander, Blüten, Wellen oder geometrische Formen. Genau das gibt einem Quilt diesen besonderen dreidimensionalen Effekt, den man sofort spürt, wenn man ihn in den Händen hält.
Patchwork und Quilten: Wie sie zusammenwirken
Erst in der Nähgang habe ich wirklich verstanden, wie Patchwork und Quilten zusammenhängen und warum die Begriffe so oft durcheinandergebracht werden. Der Grund ist einfach: Die meisten Quilts haben eine Patchwork-Oberseite, und die meisten Patchwork-Decken werden gequiltet. Die beiden Techniken gehen so häufig Hand in Hand, dass man sie fast automatisch als ein und dasselbe wahrnimmt.
Aber das sind sie nicht. Und das ist eigentlich eine gute Nachricht, denn es bedeutet: Du hast mehr Freiheiten, als Du denkst.
Du kannst ein FPP-Motiv nähen und einrahmen, ohne es jemals zu quilten. Du kannst andererseits auch einfach zwei schöne Stoffe, die Dir gefallen mit einem Vlies dazwischen quilten, ohne vorher eine einzige Patchwork-Naht genäht zu haben. Und Du kannst natürlich das volle Programm machen und ein aufwändiges Patchworkprojekt mit wunderschönem Quilting-Muster gestalten.
Das Schöne an diesem Hobby ist, dass man es so einfach oder so komplex halten kann, wie man möchte.


Was ist Foundation Paper Piecing?
Wer sich mit Patchwork beschäftigt, begegnet früher oder später dem Begriff FPP, kurz für Foundation Paper Piecing. Das ist eine besondere Patchwork-Technik, bei der Stoffe auf Papier genäht werden. Das Papier dient als Vorlage und Stabilisierung. So lassen sich sehr filigrane Motive nähen, die mit normalen Patchwork-Methoden kaum möglich wären, zum Beispiel Tiere, Blätter oder geometrische Designs mit vielen kleinen Teilen.
Das Grundprinzip ist dabei immer gleich: Du nähst Stoff für Stoff auf die Papiervorlage, in einer vorgegebenen Reihenfolge. Wenn alle Teile genäht sind, wird das Papier abgezogen. Klingt aufwendig, macht aber unglaublich viel Spaß, besonders wenn man am Ende ein fertiges Motiv in den Händen hält.
Für das Quilten spielt es keine Rolle, ob Deine Oberseite aus klassischem Patchwork oder FPP-Motiven besteht. Das Quilt-Sandwich und der Prozess des Quiltens bleibt derselbe.

Warum ich Patchwork und Quilten liebe
Mittlerweile liebe ich es, mich beim Nähen von Patchwork kreativ auszutoben. Vor der Nähgang habe ich nur Kleidung und Taschen genäht. Da hatte ich immer den Anspruch, dass jedes Teil farblich und vom Stil in meine Garderobe passt und mir steht. Diese Beschränkungen entfallen beim Patchworken und Quilten fast vollständig und geben eine ganz neue Entfaltungsmöglichkeit.
Weil es so viele Möglichkeiten gibt, fühlen sich viele Näherinnen in der Entscheidungsfindung schnell überfordert. Welches Vlies? Welches Quilting-Muster? Wie eng sollen die Nähte sein? Das mag ich an der Nähgang, dass sie mir dann, wenn ich es brauche, Führung gibt und ich mich nicht an solchen Fragen festbeiße, sondern weiter im Tun bleibe und mich über schöne Ergebnisse freuen kann.
Du musst nicht alles wissen, bevor Du anfängst. Das Wichtigste ist, dass Du anfängst.
FAQ: Patchwork und Quilten
Was ist der Unterschied zwischen Patchwork und Quilten? Patchwork bedeutet das Zusammennähen verschiedener Stoffstücke zu einem Muster oder Block. Quilten ist das Verbinden von drei Lagen, dem Patchwork-Top, einem Vlies in der Mitte und dem Rückseitenstoff, durch dekorative Nähte. Beides zusammen ergibt einen klassischen Quilt.
Kann man Patchwork ohne Quilten machen? Ja, absolut. Ein FPP-Motiv kannst Du nähen und einrahmen, ohne es zu quilten. Umgekehrt kann man auch quilten ohne Patchwork, zum Beispiel mit einem einfarbigen Stoff als Oberseite.
Was ist ein Quilt-Sandwich? Ein Quilt-Sandwich besteht aus drei Lagen: dem Patchwork-Top oben, einem Vlies in der Mitte und dem Rückseitenstoff unten. Diese drei Lagen werden beim Quilten miteinander vernäht.
Brauche ich eine spezielle Nähmaschine zum Quilten? Nein. Du kannst mit einer normalen Haushaltsnähmaschine quilten. Für besonders große Projekte nutzen manche Näherinnen einen Longarm-Quilter, aber das ist kein Muss.
Das Schöne an diesem Hobby ist, dass man es so einfach oder so komplex halten kann, wie man möchte. Sowohl das Patchwork als auch das Quilten kann man strikt nach bestimmten Anleitungen machen oder sich künstlerisch voll entfalten. Du hast alle Freiheiten.
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