Quiltvliese gibt es in unzähligen Varianten, und wer zum ersten Mal vor diesem Regal steht, fragt sich schnell: Welches ist jetzt das Richtige für mich?
Ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen. Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, vor einem riesigen Regal mit Vliesen zu stehen und einfach keine Ahnung zu haben. Irgendwie habe ich dann einfach irgendeines genommen. Hat schon irgendwie geklappt. Aber so richtig gut war das Ergebnis nicht, und ich wusste lange nicht, warum.
Dabei ist das Vlies eine der wichtigsten Entscheidungen beim Quilten. Es ist die mittlere Schicht in Deinem Quilt-Sandwich, zwischen dem schönen Patchwork-Top oben und dem Rückseitenstoff unten. Diese eine Schicht gibt Deiner Decke die Wärme, die Stabilität und das weiche Polster. Und sie ist nicht einfach irgendein Füllmaterial.
Fünf Fragen für die richtige Wahl beim Quiltvliese kaufen
Bevor Du Dich für ein Vlies entscheidest, lohnt es sich, kurz innezuhalten und fünf Fragen ehrlich zu beantworten.
Erstens: Wofür ist die Decke gedacht? Eine Kuscheldecke fürs Sofa braucht ein anderes Vlies als ein Tischläufer oder ein Wandbehang. Ein Baby-Quilt, der auf dem Boden liegt und vielleicht mal bespuckt wird, ist wieder etwas anderes.
Zweitens: Wie möchtest Du quilten? Mit der Hand, mit der Nähmaschine oder möchtest Du die Decke zu einem Longarm-Quilter geben? Das beeinflusst, wie dick und wie griffig das Vlies sein darf.
Drittens: Was darf es kosten? Vliese unterscheiden sich im Preis erheblich, und ja, der Preis hat oft einen guten Grund. Bei einem aufwendigen Projekt lohnt sich ein hochwertiges Vlies. Bei einem schnellen Übungsquilt muss es nicht das Teuerste sein.
Viertens: Wie oft wird die Decke gewaschen? Eine Alltagsdecke, unter der Du schläfst, geht regelmäßig in die Waschmaschine. Das sollte das Vlies gut vertragen können.
Fünftens: Wie warm soll die Decke sein? Eine leichte Sommerdecke, eine kuschelige Winterdecke oder einfach ein dekoratives Stück, das macht einen großen Unterschied bei der Wahl des Materials.
Diese fünf Fragen klingen erstmal nach viel. Aber wenn Du sie einmal für Dich beantwortet hast, wird die Entscheidung im Laden oder im Onlineshop plötzlich ganz einfach.
Der kleine Trick, den die meisten am Anfang nicht kennen
Hier kommt etwas, das ich selbst lange nicht wusste, und das wirklich einen Unterschied macht.
Viele Vliese haben eine Ober- und eine Unterseite. Das klingt erstmal komisch, aber es stimmt. Bei vernadelten Vliesen, also solchen, bei denen viele Lagen mit Nadeln miteinander verbunden wurden, fühlt sich eine Seite glatter an, die andere etwas rauer, fast wie ein oft getragenes Sweatshirt mit kleinen Knötchen.
Diese Knötchen-Seite gehört nach unten. Warum? Weil beim Quilten die Nadel immer von oben nach unten sticht. Wenn Du das Vlies verkehrt herum einlegst, schiebst Du diese kleinen Knötchen in die falsche Richtung, und das kann dazu führen, dass winzige Härchen später an der Oberfläche Deines Quilts auftauchen. Im Englischen nennt man das „bearding“, und es sieht leider nicht schön aus.
Der einfache Test: Nimm eine Nadel und stich von beiden Seiten probeweise durch das Vlies. Auf welcher Seite geht sie leichter durch? Das ist Deine Oberseite.
Welche Vliese wirklich gut sind
Auf dem Markt gibt es sehr viele Vliese und Vlies-Zusammensetzungen und sie sind sehr unterschiedlich in ihrer Qualität. Reine Polyester-Vliese findet man oft in Geschäften und sie sind günstig. Sie sind hochflorig und damit auf einer Haushaltsnähmaschine nicht so leicht zu quilten. Sie lassen sich gut waschen und verzeihen viel in der Pflege, sind aber nicht gut darin, Wärme zu regulieren. Für einen Schlafquilt kann ich sie nicht empfehlen.
Baumwoll-Vliese oder Mischungen aus Baumwolle und Polyester sind da deutlich angenehmer, sowohl zum Nähen als auch später im Gebrauch. Sie liegen schön, quilten sich weicher und geben der Decke eine natürliche Haptik. Das Naturmaterial Baumwolle mit seiner Fähigkeit zu wärmen und Feuchtigkeit in der Nacht aufzunehmen, ist vielen Nutzern besonders wichtig. Sie sind für Quilter das gängige und sehr geschätzte Material.
Auch deutsche Hersteller haben inzwischen interessante Materialien und Mischungen im Sortiment. Manche Produkte haben inzwischen eine leicht stabilisierende Schicht auf einer Seite, erkennbar am leichten Glanz. Diese Seite kommt nach unten, weil die Unterseite eines Quilts mehr Reibung ausgesetzt ist als die Oberseite.
Weiterführende Blogartikel zum Thema Quiltvliese
Wissenswertes über Baumwollvliese
FAQ zum Thema Quiltvliese
Was sind Quiltvliese und wofür brauche ich sie? Quiltvliese sind die mittlere Schicht im sogenannten Quilt-Sandwich, zwischen dem Patchwork-Top oben und dem Rückseitenstoff unten. Sie geben der Decke Wärme, Stabilität und das weiche Polster. Ohne Vlies ist ein Quilt kein Quilt.
Welche Arten von Quiltvliesen gibt es? Die häufigsten Materialien sind Baumwolle, Polyester, Wolle und Bambus. Jedes hat seine eigenen Stärken. Baumwolle eignet sich besonders für Sommerdecken, Wolle für warme Winterprojekte. Polyester ist günstig und pflegeleicht, aber weniger atmungsaktiv.
Welches Quiltvlies ist das beste für Anfänger? Baumwollvlies ist eine sehr gute Wahl für den Einstieg. Es verzeiht kleine Fehler beim Quilten, weil der Knittereffekt nach dem Waschen vieles kaschiert. Außerdem lässt es sich auf einer normalen Haushaltsnähmaschine gut verarbeiten. Genauso geeignet sind Mischungen aus Baumwolle und Polyester.
Sollte ich ein Quiltvlies vorwaschen? Nein, das würde ich Dir nicht empfehlen. Dadurch verzieht sich das Material und lässt sich kaum noch verarbeiten.
Muss ich Quiltvliese vor dem Vernähen bügeln? Ja, bei den meisten Vliesen empfiehlt es sich, sie vor der Verarbeitung einmal zu bügeln, damit die Falten aus der Verpackung verschwinden. Bei Wollvliesen solltest Du dabei sehr vorsichtig mit dem Bügeleisen sein.
Was mache ich mit Resten? Eigentich bleibt immer etwas übrig. Behalte diese Stücke, Du kannst sie noch wunderbar als Futter für Westen, als Vlies für Kissenprojekte oder für Tischläufer nutzen. Kleine Stücke kannst Du mit Hilfe von Batting Tape zusammenfügen und weiterverwenden oder für kleine Patchwork-Projekte wie MugRugs oder Quilt-as-you-go nutzen.

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