Ich bin mir so sicher, dass Du diese Momente kennst:
Der Tag war anstrengend oder vielleicht sogar die ganze Lebensphase ist gerade ein Kraftakt. Mir fehlt die Energie für das Nähen. Seit Tagen oder Wochen schon.
In diesen Zeiten schaffe ich es nicht, mich durch ein aufwändiges Projekt zu denken oder mir Videos und Anleitungen anzuschauen und danach zu nähen. Ich vergesse sowieso die Hälfte und vertue mich im Zuschnitt. Und der Frust darüber kommt dann auf die eigentlich nicht so stabile Verfassung noch obendrauf. Nein, danke. Dann lieber eine Näh-Pause.
Auch das kommt vor und ich finde es total okay. Nähen ist schließlich unser Hobby und das Wichtigste an einem Hobby ist, dass es uns guttut. Wenn nicht, und auch das ist bei mir schon oft genug vorgekommen, ist es Zeit, das Hobby zu überdenken. Ich habe Instrumente aufgegeben, das Joggen und den Rosengarten. Es war mehr Stress als Freude. Dann darf es auch einfach gehen, finde ich. Mein Alltag als berufstätige Mutter ist schließlich schon anstrengend genug.
Aber Nähen durfte immer bleiben. Gerade weil es so vielschichtig ist und mir in allen Phasen etwas gibt. Es kommt nur darauf an, mich und meine Gemütslage gut einzuschätzen und darum zu wissen, welche Projekte mit jetzt gerade guttun und wann ich eine Herausforderung gut gebrauchen kann.
In den Momenten, in denen der Kopf voll und ich erschöpft bin, greife ich zu Projekten mit wenig Vorgaben. Etwas, was eher repetitiv ist und wo wenig schief gehen kann.



Das kann English Paper Piecing sein oder Crazy Patchwork. Oder auch Quilt as you go. Vielleicht aber auch ein ganz simples Schnittmuster, das ich schon oft genäht habe. Den Rudi zum Beispiel. Hier kann ich ohne Frust drauflosnähen und über das Tun mit den Händen kommt die Ruhe im Kopf zurück.

Ich will Dich ermutigen, auch an diesen Tagen das Nähen für Dich auszuprobieren. Es kann auch ein Schritt davor sein. Stoffe auszusuchen, die Restekiste nach Farbe zu sortieren oder schonmal ein paar Blöcke bügeln. Ist gar nicht so wichtig, was Du tust. Aber ins Tun zu kommen, Dich mit Schönem zu umgeben und nicht kraftlos und in den immer selben Gedanken zu versacken, hilft sehr dabei, wieder bei Dir anzukommen.
Für mich ist es besonders kraftvoll, an einem solchen Tag etwas fertig zu stellen. Probier es mal aus, es tut so gut! Mir ein fertiges Projekt anzuschauen und wahrzunehmen, was ich schaffen kann, selbst in einer schlechten Verfassung, gibt mir immer Zuversicht und Selbstvertrauen.

Ich hoffe, die Taktik hilft auch Dir. In der Nähgang und auch auf unserem Youtube-Kanal findest Du solche Projekte und Techniken. Den Easy Stripes Quilt habe ich nicht zuletzt deshalb mehrfach genäht. Da kommt noch ein weiterer Aspekt dazu, der mich immer erfüllt: Hier kann ich Lieblingsfarben und Lieblingsstoffe einsetzen. Jede Menge davon. Ein bunter Regenbogen hat mir noch immer geholfen, wenn es sich im Innen ein wenig farblos anfühlt.
Wenn Du für diese Momente schon ein Projekt fertig zugeschnitten in der Schublade hast, zu dem Du nur greifen musst, ist es noch viel leichter. Dein Projekt für schlechte Zeiten sozusagen. Für mich sind sie ganz wichtig.
Alles Liebe,
Barbara
Kommentare