Wollvlies beim Quilten: Das wärmste Material für besondere Projekte

Wollvlies ist das Material, das man beim ersten Anfassen sofort erkennt. Es ist viel dicker, viel luftiger und fühlt sich ganz anders an als alle anderen Vliese. Und wenn man die Packung öffnet, riecht es tatsächlich nach Wolle. Das klingt zunächst vielleicht ungewohnt, ist aber das deutlichste Zeichen dafür, dass hier ein echtes Naturprodukt in den Händen liegt.

Wollvlies ist zu 100 Prozent aus Schafwolle und gehört damit zu den hochwertigsten Materialien, die man beim Quilten verwenden kann. Das wirst Du auch später in Deinem Quilt spüren. Er fühlt sich weich, locker-fluffig und sehr hochwertig an.

Was Wollvlies so besonders macht

Der auffälligste Unterschied zu anderen Vliesen ist die Höhe. Hält man ein Quiltvlies aus Wolle neben ein klassisches Baumwollvlies, ist der Unterschied sofort sichtbar. Wollvlies ist deutlich dicker. Das macht es zu einem der luftigsten und lockersten Materialien überhaupt.

Genau diese Eigenschaft ist gleichzeitig einer der größten Vorteile: Wolle baut sich immer wieder auf. Wenn man einen Quilt mit Wollvlies faltet, verschwinden die Falten nach dem Aufschütteln fast von selbst. Das macht es zur perfekten Wahl für Decken, die tagsüber dekorativ über dem Bett liegen und morgens wieder aufgefaltet werden. Eine Baumwolldecke würde die Knitterfalten viel länger behalten.

Das beste Stichbild, das ein Vlies bieten kann

Wer sich beim Quilten sehr viel Mühe gibt, wer schöne Freihandmuster oder aufwändige Stepplinien näht und möchte, dass man das auch wirklich sieht, ist mit Wollvlies am besten bedient. Kein anderes Material lässt das Stichbild so deutlich zur Geltung kommen. Das Hochflorige des Vlieses hebt die Nähte förmlich hervor.

Dabei eignet sich Wollvlies sowohl für das Handquilten als auch für die Maschine. Beim Handquilten läuft die Nadel besonders leicht durch die locker verbundene Wolle. Wer gerne mit der Hand quiltet, wird dieses Vlies lieben.

Zwei Dinge sind beim Quilten mit Wolle besonders wichtig: Erstens sollte man die Stichlänge etwas verlängern, auf etwa 3,5 bis 4 empfiehlt sich das sehr. Kürzere Stiche sehen auf diesem dicken, luftigen Vlies zu eng und gedrängt aus. Zweitens ist eine neue, scharfe Nadel absolut entscheidend. Wollvlies neigt nämlich mehr als andere Vliese zum sogenannten Bearding, also dazu, dass einzelne Fasern durch den Stoff nach oben wandern und wie ein feiner Flaum auf der Oberfläche liegen. Je kleiner die Einstichlöcher sind, desto geringer ist dieses Risiko. Hochwertige Vliese haben damit, sofern Du eine neue Nadel nutzt, keine Probleme.

Am besten wählst Du bei einem Wollvlies eng gewebte Stoffe. Locker gewebte Materialien wie Leinen oder bestimmte Musselin-Sorten sind in Kombination mit Wollvlies keine gute Idee.

Die Wärmeleistung ist unübertroffen

Wolle ist das wärmste der Vliesmaterialien, die wir in dieser Reihe vorgestellt haben. Der Unterschied ist deutlich spürbar. Wer also einen Quilt für kalte Winterabende auf der Couch nähen möchte, für eine ältere Person, die leicht friert, oder für einen Schlafquilt der wirklich wärmt, kommt an Wollvlies kaum vorbei.

Gleichzeitig ist Wolle ein atmungsaktives Naturmaterial, das nicht so schwer ist wie es aussieht. Ein Quilt aus Wollvlies wärmt intensiv, ohne dabei zu beschweren. Das ist der Unterschied zu einem dicken Baumwollvlies, das ähnliche Wärme nur durch viel mehr Gewicht erreicht. Für einem wirklich warmen Winterquilt kannst Du Wolle sogar doppelt legen. Hier empfehle ich Dir ein weniger hochfloriges Vlies, damit es nicht zu bauschig wird.

Was man beim Waschen beachten sollte

Es lässt sich waschen, ist aber etwas anspruchsvoller als Baumwoll- oder Polyestervliese. Am wichtigsten ist, was man nicht tun sollte: nicht bügeln. Das schädigt die Wolle dauerhaft und die Fasern bauen sich danach nicht mehr gut auf. Um Falten aus dem Vlies zu bekommen, gibt man es kurz auf Luftstufe oder sehr niedriger Temperatur in den Trockner, oder man arbeitet vorsichtig mit etwas Dampf.

Beim Waschen des fertigen Quilts empfiehlt sich ein Wollwaschgang und eine niedrige Schleuderzahl. Das Vlies schrumpft beim Waschen leicht, aber nicht so stark wie Baumwolle. Den Knittereffekt, den viele bei Baumwollquilts so lieben, wird man bei Wolle deutlich weniger sehen. Das Quilting-Muster bleibt klarer sichtbar. Mutige können den Quilt auch in den Trockner stecken (dann bitte darauf achten, dass es ein mildes Programm ist). Ich trockne lieber flach ausgelegt in der Sonne.

Für wen eignet sich Wollvlies?

Wer zum ersten Mal quiltet, greift besser zu Baumwolle. Aber für alle, die schon etwas Erfahrung haben und einmal etwas besonders Hochwertiges ausprobieren möchten, ist Wollvlies eine Entdeckung. Es ist das zweitteuerste Vlies in unserem Sortiment, aber wenn man viele Stunden in ein Projekt investiert, ist es gut, nicht am Vlies zu sparen.

Noch ein Hinweis für alle, die einen Quilt verschenken möchten: Wollvlies ist ein echtes Naturprodukt vom Schaf. Wer eine Wollallergie hat, sollte einen Bogen darum machen oder auf eine Mischung aus 60% Wolle und 40% Polyester ausweichen.

Und noch etwas, was man nicht vergessen sollte: Wollvlies gibt es nur in Naturfarben. Ein reinweißes Vlies gibt es bei Wolle nicht. Wer also einen Quilt mit sehr vielen hellen oder weißen Stoffen näht, sollte bedenken, dass der natürliche helle Gelbton des Vlieses leicht durchscheinen kann.

Zu guter Letzt ist auch entscheidend, wie viel Platz Dir Deine Nähmaschine rechts er Nagel gibt. Ein voluminöser Quilt muss ja auch noch unter der Maschine bewegt werden können. Dafür brauchst Du einen großen Durchlass. Wenn Dein Quilt von einem Longarmer gequiltet wird, dann ist dieser Vlies sogar meine erste Wahl.

FAQ: Wollvlies beim Quilten

Warum ist Wollvlies so viel dicker als andere Vliese? Wollvlies besteht zu 100 Prozent aus Schafwolle, die von Natur aus sehr luftig und hochflorig ist. Im Vergleich zu einem Baumwollvlies ist es gut doppelt so dick. Diese Eigenschaft gibt dem Quilt eine besondere Fülle und lässt das Stichbild sehr schön zur Geltung kommen. Inzwischen gibt es aber auch Baumwolle-Polyester-Mischungen, die ich empfehlen kann.

Kann ich Wollvlies waschen? Ja, aber mit Vorsicht. Kaltes Wasser und eine niedrige Schleuderzahl sind wichtig. Am besten anschließend flach auslegen oder kurz auf Luftstufe im Trockner trocknen. Auf keinen Fall bügeln, das schadet der Wolle dauerhaft. Bitte auch nicht vorwaschen.

Warum muss ich bei Wollvlies auf Bearding achten? Wollvlies besteht aus locker verbundenen Fasern, die beim Quilten durch den Stoff nach oben wandern können. Das nennt man Bearding. Eine frische, scharfe Nadel und eng gewebte Stoffe reduzieren dieses Risiko erheblich. Besonders auf dunklen Stoffen ist Bearding gut sichtbar.

Für welche Projekte eignet sich Wollvlies am besten? Für alles, was besonders warm sein soll: Winterdecken, Sofaquilts und Schlafquilts. Auch für Quilts, bei denen das Stichbild besonders gut zur Geltung kommen soll. Nicht so gut geeignet ist es für stark beanspruchte Alltagsprojekte, die sehr häufig gewaschen werden.

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