Baumwollvlies beim Quilten: Was Du vor dem ersten Kauf wissen solltest

Wer sich zum ersten Mal mit dem Quilten mit Baumwollvlies beschäftigt, steht schnell vor einer Menge Fragen.

Ich weiß noch genau, wie ich das erste Mal vor dem Regal mit Vliesen stand. Alle sahen irgendwie gleich aus. Ich habe dann einfach das genommen, was mir am vertrautesten vorkam: Baumwolle. Nicht weil ich wusste, warum das eine gute Wahl ist, sondern weil Baumwolle sich einfach richtig anfühlt. Und weißt Du was? Beim Quilten ist das gar keine schlechte Intuition.

Baumwollvlies ist so etwas wie der Klassiker unter den Vliesen. Es ist seit vielen Jahrzehnten auf dem Markt, besonders in den USA, wo das Quilten eine lange Tradition hat. Und es hat sehr gute Gründe, warum es bis heute so beliebt ist.

Warum Baumwolle und Quilts so gut zusammenpassen

Der größte Vorteil von Baumwollvlies ist seine Fähigkeit, Feuchtigkeit vom Körper wegzutransportieren. Ich habe selbst lange gedacht: „Wer schläft denn bitte unter einem Quilt? Wir haben doch Bettdecken!“ Bis ich in einem sehr heißen Sommer einfach mal einen Quilt aus dem Regal genommen habe, weil mir meine normale Decke zu warm war.

Es war herrlich. Kein Schwitzen, ein angenehmes Schlafklima, und mein Mann, der das jahrelang belächelt hat, wollte irgendwann dann doch auch einen. Mittlerweile schläft die ganze Familie im Sommer unter Quilts. Baumwollvlies macht einen Quilt zur perfekten Sommerdecke, und das nicht nur wegen der Optik.

Dazu kommt, dass Baumwolle ein sehr robustes, natürliches Material ist. Es verträgt die Waschmaschine, es verträgt den Trockner, und es wird mit jedem Waschen weicher. Eine Decke mit Baumwollvlies zu quilten ergibt also kein zartes Ausstellungs-, sondern ein echtes Alltagsstück.

Der Knittereffekt

Jetzt kommt etwas, das Du wissen solltest, bevor Du Dich für ein Baumwollvlies entscheidest. Baumwolle läuft beim Waschen etwa drei bis fünf Prozent ein. Das kennt jeder von Baumwollkleidung. Und das führt bei Quilts zu einem ganz bestimmten Effekt: Die Decke bekommt eine leicht gewellte, gekrinkelte Oberfläche, fast wie aus einem englischen Cottage.

Manche lieben diesen Look und werfen die gerade fertig genähte Decke sofort in die Waschmaschine, nur um diesen Effekt zu bekommen. Andere mögen ihn gar nicht. Wenn Du zu denen gehörst, die ihn nicht mögen, dann ist Baumwollvlies ehrlich gesagt nicht das Richtige für Dich. Denn der Effekt kommt immer, und mit jedem weiteren Waschen wird er stärker.

Dieser Effekt verzeiht auch Fehler, die Du vielleicht beim Nähen gemacht hast. Mein allererster Quilt, bei dem ich die Mäanderlinien genäht habe, hatte einige Ecken, über die ich mich sehr geärgert habe. Nach dem Waschen waren sie kaum noch zu sehen. Die Decke lag einfach schön zusammen, gemütlich und warm, und niemand hat je bemerkt, dass sie nicht perfekt genäht ist. Gerade für erste Projekte ist das gar nicht so schlecht, wenn Du Dich daran störst, dass noch nicht alles optimal gelungen ist.

Natur, weiß oder schwarz? Ein Unterschied, der zählt

Baumwollvlies gibt es in verschiedenen Farbtönen, und das ist kein rein optisches Thema.

Naturfarbenes Vlies schimmert leicht durch helle Stoffe hindurch. Das kann dazu führen, dass eine Decke mit vielen weißen oder cremefarbenen Elementen einen leichten Gelbstich bekommt, der gar nicht vom Stoff stammt, sondern vom Vlies darunter. Wer viel mit hellen Farben arbeitet, greift besser zum gebleichten weißen Vlies.

Außerdem enthält naturbelassenes Baumwollvlies manchmal kleine dunkle Einschlüsse, das sind winzige Reste der Baumwollsamen. Bei günstigeren Vliesen sind diese deutlich sichtbar und können bei sehr hellen Stoffen sogar durchscheinen. Bei einem hochwertigen Vlies sind sie so klein, dass sie kaum auffallen.

Und dann gibt es noch eine Option, die viele gar nicht kennen, nämlich schwarzes Baumwollvlies. Wenn Du einen Quilt mit vielen dunklen Stoffen nähst, also satten Blau-, Grün- oder Rottönen, kann ein schwarzes Vlies darunter die Leuchtkraft dieser Farben noch verstärken.

Worauf Du beim Quilten achten solltest

Baumwollvlies kann sich nach dem Waschen zusammenziehen und leicht verklumpen, wenn die Quilting-Abstände zu groß sind. Deshalb ist es wichtig, das Quilting nicht zu weit auseinanderzulegen. Wie eng genau, das steht meistens auf der Verpackung des Vlieses. In der Regel empfehlen die Hersteller einen maximalen Abstand von etwa vier bis sechs Zentimetern. Ich habe auch schon weitere Abstände gewählt und bei Markenvlies ist es gut gegangen.

Außerdem ist es gut zu wissen, dass viele 100-prozentige Baumwollvliese keine sogenannte Scrim-Schicht haben. Scrim ist eine stabilisierende Einlage, die beim Quilten etwas mehr Spielraum bei den Abständen erlaubt. Da Scrim aber meistens aus Polyester besteht, verzichten Hersteller von reinen Baumwollvliesen oft darauf. Das bedeutet nicht, dass das Vlies schlechter ist, man sollte beim Baumwollvlies Quilten einfach etwas sorgfältiger auf die Abstände achten.

Wofür eignet sich Baumwollvlies besonders gut?

Baumwollvlies ist eine wunderbare Wahl für Decken, unter denen man schlafen möchte, besonders im Sommer. Es eignet sich gut für Quilts, die häufig gewaschen werden, weil es das problemlos verträgt. Es ist angenehm dünn, was es auch auf einer normalen Haushaltsnähmaschine gut beherrschbar macht.

Weniger geeignet ist es für Wandbehänge oder Tischläufer, weil der Knittereffekt beim Waschen das schöne Quilting-Muster später weniger sichtbar macht. Wer besonders aufwändige Stiche zeigen möchte, ist mit einem anderen Vlies besser beraten. Und wer eine richtig warme Winterdecke sucht, wird mit Baumwollvlies eher nicht glücklich, dafür ist es schlicht zu dünn.

FAQ zum Thema Baumwollvliese quilten

Du möchtest mehr zum Thema Quiltvliese erfahren? In diesem Artikel findest Du eine Übersicht.

Welches Baumwollvlies eignet sich am besten zum Quilten?

Das hängt vom Projekt ab. Für Decken, unter denen man schläft, ist Baumwollvlies eine sehr gute Wahl. Es ist atmungsaktiv, robust und wird mit jedem Waschen weicher. Für Wandbehänge oder Tischläufer empfiehlt sich eher ein Vlies mit Polyester- oder Wollanteil, weil Baumwolle beim Waschen einläuft und das Quilting-Muster dadurch weniger sichtbar wird.

Was ist der Unterschied zwischen naturfarben und gebleichtem Baumwollvlies?

Naturbelassenes Vlies hat einen leicht gelblichen Ton und enthält manchmal kleine dunkle Einschlüsse von Baumwollsamen. Bei hellen oder weißen Stoffen kann dieser Ton durchscheinen. Gebleichtes weißes Vlies ist die bessere Wahl, wenn Du viel mit hellen Farben arbeitest.

Muss ich Baumwollvlies vorwaschen? Das will ich Dir nicht empfehlen, auch wenn manche Hersteller es anders ausweisen.

Wie eng muss ich bei Baumwollvlies quilten?

Die meisten Hersteller empfehlen einen maximalen Abstand von vier bis sechs Zentimetern zwischen den Nählinien. Wenn die Abstände zu groß sind, kann das Vlies nach dem Waschen zusammenklumpen. Die genaue Angabe steht auf der Verpackung Deines Vlieses.

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