In die Expertinnen-Rolle bei einem Nähgang-Projekt schlüpfen? Spannend! Bis vor zwei Monaten war ich ausschließlich im Hintergrund der Nähgang beschäftigt. Mein Bereich sind Strategie und Umsetzung für das Marketing der Nähgang und zusätzlich übernehme ich weitere Projekte.
In einem Meeting fragte Barbara, ob jemand unsere Idee für eine Falttasche einmal durchnähen wollte. Ich dachte mir: „Ach komm, das kannst Du ja mal nebenbei machen.“ Und schwupps lag plötzlich das ganze Projekt inklusive Dreh, Probenähen und Ausarbeitung der Nähanleitung in meinen (ziemlich weit geöffneten) Armen.
Zehn Jahre lang habe ich unter den Labels Elle Puls und Näh deinen Stil eigene Schnittmuster für Kleidung und Taschen designt und verkauft. Allerdings ist es inzwischen sechs Jahre her, dass ich mein letztes eigenes Schnittmuster entwickelt habe. Umso schöner war es zu merken, wie schnell mein alter Schnittmuster-Modus bei Mel wieder angesprungen ist. Ich mag es einfach, an einer Idee zu tüfteln, Details auszuprobieren und so lange daran zu feilen, bis am Ende alles zusammenpasst.
Gleichzeitig hatte ich großen Respekt vor dem hohen Qualitätsanspruch in der Nähgang. Eine spannende Herausforderung. Ich hoffe natürlich sehr, dass mir Mel gelungen ist.
Was kann der Shopper Mel?
Wenn ich etwas nähe, dann möchte ich es auch benutzen können. Rein dekorative Dinge nähe ich eher selten. Viel lieber entstehen bei mir praktische Taschen, Kleidung, die ich im Alltag trage, oder seit neuestem auch Quilts, die als Schlafdecken benutzt werden.
Ich möchte den Prozess des Nähens genießen und mich anschließend genauso darüber freuen, dass das fertige Projekt einen Platz in meinem Alltag findet. Wenn beides zusammenkommt, bin ich mit einem Nähprojekt richtig happy.
Schon Anfang Januar stand der faltbare Shopper Mel bei unserer Jahresplanung mit dem Nähgang-Team zur Diskussion. Wäre so eine Tasche etwas für unsere Nähgangster? Wir fanden: Ja! Denn Mel ist ein alltagstauglicher Begleiter, der ordentlich etwas tragen kann und gleichzeitig ganz viel Raum für kreative Experimente lässt. Liebe ich!
Deswegen wollte Mel vermutlich auch zu mir.
Stell Dir die gängigen Supermarkttaschen aus einer Art LKW-Folie in schön vor, weich und selbst genäht. Plus praktische Add-Ons.
Du kannst den Eingriff der Tasche weit öffnen, sodass richtig viel hineinpasst. Obwohl Mel aus dünnen Patchworkstoffen genäht wird, bekommt sie durch das Quiltsandwich eine schöne Stabilität.
Zusätzlich haben wir zwei „Sicherheitselemente“ eingebaut: Eine Außentasche mit Reißverschluss, in der Du Wertsachen verstauen kannst, ohne später zwischen Gemüse und Einkäufen danach suchen zu müssen. Und einen optionalen Reißverschluss am Eingriff, um Deine Sachen vor Langfingern zu schützen.
Obwohl Du die Tasche schließen kannst, lässt sie sich trotzdem weit öffnen. Wir arbeiten hier mit einem teilbaren Reißverschluss, ähnlich wie bei einer Jacke. Geöffnet können die Laschen nach innen geklappt werden und Du kannst die Eingriffkanten weit auseinanderziehen. So lässt sich Mel ganz bequem vollpacken.
Die Herausforderungen bei der Schnittentwicklung
Beim Taschennähen entscheidet die richtige Verstärkung ganz wesentlich darüber, wie sich eine Tasche später anfühlt und wie stabil sie ist. Allein um das passende Vlies für Mel zu finden, brauchte es schon mindestens zwei Probenähtaschen.
Tasche um Tasche konnte ich die einzelnen Arbeitsschritte weiterentwickeln und verfeinern. Frag nicht, wie viele Stunden ich Quiltnaht um Quiltnaht genäht habe. Andererseits, wann hat man bei der Arbeit schon einmal die Gelegenheit, ganz offiziell nebenbei Podcasts zu hören? Ein kleiner Luxus.
Manche Arbeitsschritte sind bei der Schnittentwicklung schnell klar. An anderen Stellen muss man verschiedene Reihenfolgen ausprobieren und manchmal auch eine erste Idee komplett über den Haufen werfen.
Wir möchten ein möglichst schönes Ergebnis mit einer professionellen und sauberen Verarbeitung verbinden. Und natürlich soll die Anleitung Dich zuverlässig dorthin führen.
Wenn Deine Projekte mit unseren Anleitungen gelingen und Du am Ende zufrieden auf Dein fertiges Stück schaust, dann sind auch wir hier im Nähgang-Team happy.
Das Probenähen
Damit ein Schnittmuster und eine Nähanleitung von möglichst vielen Menschen problemlos nachgearbeitet werden können, reicht der eigene Blick irgendwann nicht mehr aus.
Denn jeder Mensch näht und lernt ein bisschen anders. Manche möchten jeden einzelnen Schritt genau sehen und direkt nacharbeiten können. Andere lesen zunächst einmal über die Anleitung drüber und brauchen aufgrund ihrer Näherfahrung vor allem einen guten Überblick über die Reihenfolge.
Wenn ich tief in der Entwicklung eines Schnittes stecke, kommt irgendwann der Punkt, an dem ich selbst den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe. Und genau dafür gibt es das Probenähen.
Wir geben den Schnitt zunächst in einer Rohfassung an unsere Probenäherinnen. In dieser Phase ist die Anleitung tatsächlich einfach nur ein Word-Dokument mit Text und Bildern, noch längst nicht so schön gestaltet, wie Du sie später in der Nähgang zu sehen bekommst. Zu diesem Zeitpunkt wollen wir herausfinden, ob der beschriebene Weg zuverlässig zum gewünschten Ergebnis führt.
Das Feedback der Probenäherinnen ist dabei unglaublich wertvoll. Sie entdecken Fehler, stellen Verständnisfragen und machen Verbesserungsvorschläge. Dadurch wird die Anleitung am Ende so viel besser, als ich sie jemals allein hätte schreiben können.
Mehr Augen sehen eben mehr. Und mehr Köpfe stellen mehr Fragen.
Designbeispiele der Tasche Mel aus dem Probenähen
Neben der inhaltlichen Weiterentwicklung passiert beim Probenähen noch etwas richtig Schönes: Es entstehen ganz unterschiedliche, kreative Versionen von Mel.
Durch verschiedene Stoffe, Farben und Quiltings bekommt jede Tasche ihren ganz eigenen Charakter. So sind beim Probenähen wunderschöne und vielfältige Designbeispiele entstanden, von denen Du Dich für Deine eigene Mel inspirieren lassen kannst.






So war es beim Dreh für das Projekt Mel
Genau wie die meisten anderen Nähgang-Mitglieder kannte ich unser Studio bisher nur aus Kursen und Projektvideos. Umso mehr habe ich mich darauf gefreut, nach Bochum zu fahren und dabei auch einige meiner Kolleginnen endlich persönlich kennenzulernen.
Barbara, Dagmar und Friederike hatte ich bereits bei einem Meeting in Münster Anfang des Jahres getroffen. Ansonsten arbeite ich immer aus meinem Homeoffice in Stahnsdorf bei Berlin.
Vor wenigen Wochen kam ich an einem ziemlich heißen Sonntagabend in Bochum an. Am nächsten Morgen holte mich Barbara mit Sack und Pack ab und nach über einem Jahr stand ich zum ersten Mal in den heiligen Hallen von Das mach ich nachts!

Und ich kann Dir sagen, es ist ein Stoffparadies mit eingebautem Labyrinth.
Viele verschiedene Räume, verwinkelte Gänge und überall etwas zu entdecken. Natürlich habe ich mich mehr als einmal verlaufen. Wobei es sicherlich nicht geholfen hat, dass mein Blick ständig an irgendwelchen tollen Stoffen hängen blieb, statt sich mit der Orientierung zu beschäftigen.

Und dann stand ich plötzlich vor der Kamera und dachte: „Ach, wie cool, bald sehen mich über 2.300 Mitglieder vor der Nähgang-Studio-Kulisse eine Tasche nähen!“
Der Dreh hat richtig Spaß gemacht. Er war allerdings auch intensiv und vor allem sehr heiß. Zwischendurch waren wir uns nicht ganz sicher, ob wir tatsächlich alles in den geplanten zwei Tagen schaffen würden. Das hat mich zusätzlich ins Schwitzen gebracht.



Aber wir haben es geschafft. Pünktlich. Darüber war ich sehr erleichtert.
Videoschnitt, Anleitung finalisieren, Fotos machen…
Von außen lässt sich wahrscheinlich nur schwer erahnen, wie viel Arbeit tatsächlich hinter einem einzigen Nähgang-Projekt steckt.
In der Regel werden Projekte mit unseren externen Expertinnen und Experten sechs bis zwölf Monate im Voraus geplant, vorbereitet und umgesetzt. Manchmal ist die Vorlaufzeit sogar noch länger.
Und auch nach dem eigentlichen Dreh ist das Projekt längst nicht abgeschlossen.
Die Videos werden bei uns parallel zum Dreh direkt vor Ort geschnitten, was ich sehr smart finde. So können mehrere Augen direkt mitgucken und gemeinsam die Qualität sichern.
Mit Screenshots aus den Videos wird anschließend die schriftliche Nähanleitung illustriert. Dadurch passen Video und Anleitung optisch und inhaltlich möglichst gut zusammen.
Und obwohl wir natürlich mit einem Drehplan ins Studio gegangen sind, entstanden während des Drehs noch neue Ideen, mit denen sich die Anleitung weiter verbessern ließ. All diese Änderungen mussten anschließend natürlich auch noch ihren Weg in die schriftliche Anleitung finden.
Und dann brauchte es noch Fotos.
Die schönen Designbeispiele aus dem Probenähen wollten fotografiert werden, genauso wie die Tasche, die ich während des Drehs genäht habe.
Wer schon einmal Produktfotos gemacht hat, weiß: Das ist fast noch einmal ein kleines Projekt für sich. Es braucht eine schöne Kulisse, gutes Licht, passende Requisiten und natürlich ein gutes Auge hinter der Kamera.

Mein Fazit
Aus diesem Projekt nehme ich einen ganz neuen Blick darauf mit, wie viele Menschen, Ideen und Arbeitsschritte hinter einem einzigen Nähgang-Projekt stecken. Es war super, einige Kolleginnen und das Videoteam persönlich kennenzulernen, sowie Barbara und Dagmar wiederzusehen. Ich komme gerne wieder!
Hast Du auch Lust auf Mel bekommen?
Jeden Monat gibt es ein neues Nähprojekt rund um Taschen, Patchwork und Quilts in der Nähgang. So ist auch Mel ein Monatsprojekt, das nun exklusive für unsere Mitglieder zur Verfügung steht. Du möchtest die Tasche Mel oder ein anderes Nähgang-Projekt nähen? Dann komm auf die Warteliste für die Nähgang. Dort erfährst Du als Erste, wann wir wieder die Türen für neue Mitglieder öffnen.

Kommentare